(Be)Folgenswert

22.01.2025 |

Ist es sinnvoll, das Evangelium anzunehmen? Diese Frage mussten sich Christen aller Zeiten stellen, erst recht jene, denen das Bekenntnis nicht „in die Wiege“ gelegt (mithin daheim praktiziert) wurde.

Christian Heidrich, „Warum ich ein Christ bin“, Verlagsgruppe Patmos, Ostfildern 2025, 175 Seiten, 20 Euro.
 
Ein Berater des northumbrischen Königs Edwin (Regent von 616 - 633), zog zur Illustration der Tragweite der Glaubensentscheidung eine Parabel heran: In kalter Winternacht fliegt ein Sperling durch eine Tür in eine beleuchtete, gut beheizte Halle, wo der König und Gefolge speisen. Nur kurz genießt der Vogel Licht und Wärme. In wenigen Augenblicken hat er die Halle durchquert und fliegt durch eine andere Tür wieder hinaus. Kaum länger als dieser Sperlingsflug scheine das Leben der Menschen; was vorausgeht und was folgt, ist ungewiss. „Wenn aber diese neue Lehre etwas Gewisseres bringt, scheint sie zu Recht befolgenswert zu sein“, argumentierte des Königs Berater. 
 
Christian Heidrich folgt dieser Spur: „Ich erzähle in drei Kapiteln, warum ich ein Christ bin.“ Wer heute „Lust verspürt, diese Option durchzudenken, muss ein Querkopf sein“; denn wie im Anfang ist das Christentum auch heute weder Philosophie noch Kult, am allerwenigsten Macht. Sondern: „Ereignis, Gabe“. Darin allerdings äußerst dynamisch. Heidrich umschreibt es poetisch als „Glaube-Liebe-Hoffnung-Projekt“ und „nie endendes Mosaik“ tiefer Fragen und stotternder Bekenntnisse. „Das Unperfekte, Fragmentarische, (das) uns wachsam sein und wachsen lässt, manchmal gar ... über das uns Mögliche hinaus.“ Davon also ist zu reden: „vom Wandern und von der Wegweisung.“ In einem persönlichen, anregend-anrührenden Stück Christentumsgeschichte.
 
Brigitte Böttner