Gehören Sie zu den Menschen, die mit Weihnachten nichts anfangen können? Weil das christliche Fest seit langem vermarktet wird als des Jahres größter Konsumrausch? Weil von Weihnachtsmärkten die Krippe verschwindet, jedes Jahr woanders? Oder sind Sie einer von den „Weihnachtsverrückten“, die schon im September Spekulatius im Supermarkt erbeuten? (Denn dann schmeckt er ja am besten!)
Gregor von Kursell, „Ein Fest mit vielen Gesichtern. Weihnachten ist, was wir daraus machen“, Frankfurter Allgemeine Buch, Frankfurt 2024, 302 Seiten, 24 Euro.
Was erstaunlich ist: die Kritik am Weihnachtsfest ist uralt: „Lasst uns nicht die Türen bekränzen und Reigentänze aufführen, nicht die Straßen schmücken, nicht das Auge ergötzen, nicht das Ohr mit der Flöte vergnügen, nicht den Geruch verweichlichen ...“, schrieb der kappadozische Kirchenlehrer Gregor von Nazianz schon im 4. Jahrhundert. „Weihnachtsnörgeln ist so einfach“, resümiert Gregor von Kursell – und schlägt, Gott sei Dank!, einen anderen Ton an (oder soll man sagen: eine andere Glocke?).
Der Autor, Jahrgang 1965, Historiker und Journalist, schreibt seit Jahren vor allem zum Thema Weihnachten und alles, was damit zusammenhängt. Er verfolgt alte und moderne Legenden, klopft sie auf ihren Gehalt ab und präsentiert seine Funde auf unterhaltsame Weise. So auch in diesem (seinem wievielten?) Weihnachtsbuch. Unterm Strich bleibt vor allem eine Erkenntnis: Die heile Weihnachtswelt gab es nie. Weihevoll, wild, weltlich, vulgär – so feiern Menschen schon immer. Nur die Ausdrucksformen, Rituale und Fangemeinden haben sich gewandelt, wandeln sich immer weiter. Undenkbar nachgerade, dass Weihnachten irgendwann abgeschafft würde ... – Ein Schmöker zum Einstimmen auf das „Alle Jahre wieder“.