In der Tiefe der Wüste. Perspektiven für Gottes Volk heute – Michael Gerber

13.04.2024 |

Der Missbrauchsskandal, Höchstzahlen bei Austritten, knappere Ressourcen, zunehmender Bedeutungverlust und der Abbruch kirchlichen Lebens in vielerlei Gestalt: Wie damit um- und weitergehen?

Michael Gerber, „In der Tiefe der Wüste. Perspektiven für Gottes Volk heute“, Verlag Herder, Freiburg 2024, 160 Seiten, 18 Euro.
 
Diese Frage bewegt viele Gläubige – und besonders die, die über die Weichenstellungen für die Zukunft der Kirche entscheiden.
Der Fuldaer Bischof Michael Gerber hat sich in einem Buch auf die Suche nach „Perspektiven für Gottes Volk heute“ begeben. Die Option „Selbsterhaltung“ mit dem Ziel, „möglichst viel in die Zukunft hinüberzuretten“ ist für ihn keine Antwort auf die Frage, wie es mit der Kirche in Deutschland weitergehen soll. So lässt er uns teilhaben an seiner sehr persönlichen Suche, in der sich eigenes Erleben in der Familie, als Priester und Bischof verknüpft mit Botschaften und Erzählungen der Bibel. Einen besonderen Anknüpfungspunkt findet der Autor außerdem in der Geschichte der ermordeten Mönche von Tibhirine in der algerischen Wüste.
 
Wie kann die Kirche Menschen zu „innerer Freiheit“ führen? Wie kann sie Erfahrungen ermöglichen, die einen „schöpferischen Umgang mit den Herausforderungen des Lebens“ und eine „Persönlichkeitsentwicklung auf dem Glaubensweg mit Jesus Christus“ fördern? Ausgehend von diesen Fragen, regt Bischof Gerber auch eine neue Kultur der Unterscheidung und Entscheidung in unserer Kirche an – ausgerichtet am „Ziel“ oder „Letzten“. Dabei stammen einige Beispiele seines Erlebens aus der Zeit, als der gebürtige Oberkircher noch Weihbischof in Freiburg war. Überzeugend legt Michael Gerber dar, wie die gegenwärtige Wüsten-Situation der Kirche – inklusive binnenkirchlicher Spannungen – auch Chancen bieten kann.
 
Kirsten Zimmerer